07 November 2006

Wurstel and Sourcrout



Das ist Steffi, meine Chefin. Und schaut mal, was wir uns neulich gekocht haben (alles selber importiert):

31 Oktober 2006

Halbzeit in England!

Juchu, zwei Monate sind geschafft, nur noch knappe sieben Wochen liegen vor mir. Zeit, einmal alles zusammenzufassen, was mir am meisten abgeht (Reihenfolge nicht unbedingt aussagekraeftig):
  • ihr natuerlich
  • mein Bett, mein Bad
  • Streichwurst
  • Kirchenglocken
  • Organisation
  • bairischer Humor
  • Essen, das gleichzeitig schmeckt, gesund, erschwinglich, frisch und ausreichend vorhanden ist und zu einer akzeptablen Uhrzeit serviert wird
  • geniessbares Leitungswasser
  • Kontoauszugsdrucker
  • richtiges Brot und - schon fast verdraengt: Brezn!
  • ebene Strassen
  • selber Auto fahren, und zwar auf der richtigen Strassenseite
  • Herzlichkeit statt Hoeflichkeit
  • stabile Haeuser, mit Garten rundrum und allen Leitungen unterm Putz
  • Zeitung, Radio, Fernsehen: Ich krieg ja ueberhaupt nix mit hier! Fragt sich, ob das soo schlecht ist...

Ich stelle fest, dass sich die meisten Punkte ums Essen drehen. Erschreckend, oder?

Stonehenge und Salisbury

Gestern hatte ich mal wieder frei und machte mich auf den Weg nach Salisbury, einer wirklich schoenen alten, typisch englischen Stadt in der Naehe von Stonehenge.
Da das Wetter ebenfalls typisch englisch war, hab ich nur ein einziges Foto von den beruehmten Steinbrocken gemacht und dafuer ein paar schoene Postkarten gekauft, auf denen die Sonne scheint;-)
Mein erster Eindruck im Bus dorthin hat mich ziemlich hart getroffen: Japaner, von weitem erkennbar am Maurerhut! Nicht nur, dass sie sogar das Schild an der Bushaltestelle vor dem Bahnhof in Salisbury fotografiert haben, nein! Sie belagerten auch noch die beiden vorderen Sitzreihen oben im Bus. Ich muss zugeben, dass ich die reinste Schadenfreude empfand, als die Windschutzscheibe bald von aussen regennass und von innen beschlagen wurde...
Stonehenge selber war dann auch eher ernuechternd als inspirierend: Erstens hatte ich mir ein kolossales Gebilde vorgestellt, nicht ein paar Felsen, die locker in unseren Garten passen wuerden. Dann 5.90£ Eintritt (wobei man ja gar nicht "eintritt", sondern nur auf einem eingezaeunten Trampelpfad aussenrum latschen darf), das nervtoetende Gelaber einer Tonbandfuehrung im Ohr, wieder fotografierende Japaner im Weg, und zu guter Letzt zwei viel befahrene Strassen in direkter Nachbarschaft. Wenn da einer noch von einem mystischen Ort sprechen kann...
Auf dem Rueckweg nach Salisbury hab ich eine Suedafrikanerin kennen gelernt, mit der ich dann die Stadt erkundet habe: Besonders die St Mary's Cathedral fand ich wahnsinnig beeindruckend. Unvorstellbar, dass ein solch riesiges Bauwerk in kaum mehr als 30 Jahren aufgestellt wurde. Vor allem, wenn man bedenkt, dass seit 1986 Renovierungsarbeiten laufen, die voraussichtlich noch bis 2015 dauern. Und zwar nur auf der Nordseite...
Das hier ist das Uhrwerk der Kathedrale, das aelteste noch funktionierende der Welt.
Trotz der Einnahmen aus dem Eintritt in die Kirchen und aus dem Kirchenrestaurant (in der Kirche!!) scheint diese Kathedrale langsam zu zerfallen...
Zurueck in Southampton hab ich dann aus dem Zugfenster die Queen Mary II im Hafen gesehen. Bei Nacht erscheint sie noch groesser als bei Tag, deshalb beschloss ich noch schnell vorbeizuschaun. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn man auf der falschen Seite einer Stadtautobahn und dann noch auf der falschen Seite eines Zauns ist... Zufaelligerweise hatten zwei zukuenftige Bremer Schiffsbauingenieure dieselbe Idee - und ein Auto.
Nachdem wir also zu dritt an einem weiteren Zaun gescheitert waren, beschlossen wir unsere verrueckte Aktion abzublasen und lieber auf ein Bier in ein Pub zu gehn.

Staff Party

Am 23. Oktober war Staff Party in der Brockenhurst Village Hall. Der mageren Werbung zufolge war die Resonanz zwar etwas duerftig, aber die etwa 30 Leute, die der Einladung folgten, hatten trotzdem wahnsinnig viel Spass...
Zuerst waermten wir uns am Buffet (incl. der Kiste voll Bier, auf der wir sitzen) ein bisschen auf, dann kam der Percussion-Instructor, der uns sprichwoertlich nach seiner Pfeife tanzen und trommeln liess.
Anschliessend wurden wir vom DJ auf die Tanzflaeche komplimentiert.
Leider wurden wir schon um halb elf rausgeschmissen, darum nahmen Jessie, Justyna, Salvatore und ich, bewaffnet mit den Bierresten der Party, den letzten Zug nach Bournemouth, wo wir noch ein paar Stuendchen weitertanzten - bis wir irgendwann auf die Couchen fielen. (Sehr gemuetlich, sollte es in jeder Disco geben!!)






















Im Taxi nach Hause war es dann ploetzlich ganz still...

18 Oktober 2006

Linksverkehr

Bis jetzt weigert sich mein Hirn standhaft, sich daran zu gewoehnen. Immer wieder erschrecke ich, weil ein scheinbar fahrerloses Auto an mir vorbeifaehrt. Und zweimal waere ich schon fast ueber den Haufen gefahren worden, wenn mich nicht jemand am Arm gepackt und zurueckgezerrt haette, als ich ueber die Strasse gehen wollte...

Aber am schlimmsten sind die Kreisverkehre:


Auch nicht schlecht: Autobahnauffahrten von links. Da zittere ich aber immer so, dass ich euch leider kein Foto zeigen kann;-)

17 Oktober 2006

Meine Arbeit






Tja, also: Seit Anfang Oktober arbeite ich im Restaurant als Chef de Rang, das heisst ich schleppe nicht mehr die Tabletts aus der Kueche zu den Tischen, sondern bin fuer einige Tische selber verantwortlich und habe einen Commis de Rang, der fuer mich die schweren Tabletts bringt. Haha.

Ansonsten kann ich noch nicht so richtig ueber den Betrieb hier laestern, so lang ich mich mit den Managern gut stellen muss. Die Schichten sind jedenfalls brutal (zweimal am Tag von 6.30 bis ungefaehr 12 Uhr!), und dann gaebe es noch Einiges ueber die Kantine, das Management usw. zu berichten...

Meine tolle Uniform seht ihr auf dem Foto. Das haben wir neulich gemacht, als Berengere ihren letzten Tag hatte. Die anderen Fotos sind vom Cocktail-Wettbewerb letzte Woche. Der mit dem weissen Jacket ist Salvatore, unser Barmanager und zweiter Sieger mit seinem selbstkreierten Cocktail.

09 Oktober 2006

Au Panne!

Nicht nur die Tatsache, dass ich mit Akzent spreche, entlarvt mich als Auslaender, oh nein! Darueber hinaus gibt es unzaehlige Fettnaepfchen, Missverstaendnisse und absolute Don'ts, die einfach nur mir passieren koennen. Oder halt einem anderen Auslaender.

Was Jessie da mit ihren Fingern macht, bedeutet fuer mich nichts anderes als "zwei". Jetzt bin ich mit diesem Zeichen schon ganz schoen vorsichtig geworden, denn ein Englaender versteht darunter "fuck you twice".
Das Gemeine ist, dass einen auch zehn Jahre Englischunterricht nicht auf diese Fallen vorbereiten koennen, oder zumindest nur theoretisch. Wie zum Beispiel das mit der Uhrzeit: Natuerlich hab ich mal gelernt, dass mit "half seven" 7.30 Uhr gemeint ist. Trotzdem aergere ich mich immer wieder, wenn ich aus Versehen eine Stunde zu frueh aufstehe...

Und natuerlich kann ich die Aufschrift "fire door. no exit. alarm will sound if door is opened." lesen. Aber wenn man in einem absolut fremden Gebaeude ist, und das Schild "push bar to open" groesser ist als das andere...


Was ich nicht wusste: In England gibt es Leitungswasser von unterschiedlicher Qualitaet. Waehrend man also praktisch ohne Probleme aus einer deutschen Klospuelung trinken koennte, muss man hier sogar in der Kueche aufpassen, aus welchem Wasserhahn man tatsaechlich Trinkwasser bekommt. Das erklaert auch, warum ich letzte Woche so von einem Gast angeschnauzt worden bin, nachdem ich ihn gefragt hab, ob er seine bloede Trinkflasche denn nicht im Klo selber auffuellen kann...

Dann macht sich auch hier meine bairische Muttersprache bemerkbar: Staendig oute ich mich durch Ausdruecke wie "the FEET of this table" oder "the mother OF my friend" usw. Aber ich werde immer besser!!

Ich hoffe instaendig, dass dieser Teil meiner Homepage nicht mehr allzu lang wird, aber irgendwas braucht ihr ja auch zum Lachen. Naja.
Eine Eigenheit der deutschen Sprache ist die sog. Auslautverhaertung: Wir sprechen "Abent", "Schlak", "Bup" usw. Neulich ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was ich immer ankuendige, wenn ich den Gaesten einen Crab Cocktail hinstelle... (Jaja, schaut ruhig mal nach, was "Crap" bedeutet!!)

04 Oktober 2006

The New Forest






Heute hab ich mit Jessie eine Radltour im New Forest gemacht. Erst mussten wir natuerlich aus Brockenhurst raus, das heisst wir nahmen aktiv am Linksverkehr teil. Hui! Ganz schoen gefaehrlich...

Danach waren wir fast nur noch auf Waldwegen unterwegs, so konnten wir die tolle Landschaft geniessen: Wald, Wiesen, Kuehe, Pferde, Esel, Hirsche, alles da.

Mit einem Fuenf-Gaenge-Picknick haben wir uns fuer die anstrengende Tour belohnt: gemischter Salat mit Feta und Pinienkernen, Tiramisu, Obst, Schokokuchen und natuerlich Chips, aeh Crisps. Die duerfen hier ja bei keiner Mahlzeit fehlen. Ich hab auch schon einen Verdacht, warum das so ist. Schliesslich kennt der gemeine Englaender kein Gewuerz - nicht mal Salz oder Pfeffer. Und damit man genuegend Mineralstoffe zu sich nimmt, isst man halt Chips, aeh Crisps.

25 September 2006

Southampton


DIE Stadt schlechthin zum Einkaufen!
Hier gibt es drei riesige Einkaufszentren, eine ansehnliche Einkaufsmeile und dazwischen wieder Geschaefte. Wer hier nix findet, ist selber schuld!
Leider verschandeln die Malls die schoene alte Stadt, so dass man ausser der Stadtmauer und dem Hafen nicht viel anschauen kann. Aber zu diesem Zweck kann man ja auch woanders hinfahren...
Als wir neulich mit der Faehre Richtung Isle of Wight gefahren sind, haben wir ein etwas groesseres Schiff erspaeht. Ich: Ui, schauts moi, do is voi des grosse Schiff! Naja, fuer uns Bayern zumindest. Fuer an Hamburger werd des wahrscheinlich grod a Nussschale sei.
Babsi: Aeh, lies moi, wos do drauf steht. Des is d'Queen Mary II.

Isle of Wight

Als Babsi, Moni und Flo mich besucht haben, war ich mit ihnen auf der Isle of Wight, und neulich nochmal mit Jessie, einer Kollegin aus dem Blaireau's Restaurant. Die Insel ist echt wahnsinnig schoen! Aber seht selbst: Jessie am Strand in Sandown
Needle Point, der westlichste Zipfel der Insel
Vor den Klippen in Freshwater
Auf diesen Straßen braucht man echt einen Sport-BH, so holprig sind sie!



Babsi, ich und Moni an einem Aussichtspunkt:

21 September 2006

Weltwissen, das niemand braucht (Update vom Januar)

Ach, hier kann man wirklich viel lernen. Nichts Weltbewegendes, aber interessante Details ueber ein besonderes Inselvolk, das ich immer mehr ins Herz schliesse. Dabei hoffe ich allerdings, dass ich nicht allzu viel von dem Lifestyle hier annehme...
  • Wer haette gedacht, dass Hochzeitstorten in England aus dem uns Bayern wohlbekannten "Gletznbrot" bestehen? Nur, dass es hier halt mehrstoeckig, total trocken und mit einer zentimeterdicken Marzipan- und Zuckerglasur ueberzogen ist. Mmmmh... Gleich nach dem Anschneiden verschwindet die komplette Torte wieder in der Kueche, wo sie in mundgerechte Happen geschnitten und auf Platten angerichtet wird.
  • Apropos Hochzeiten: Von Oberposh bis Spanferkel-BBQ habe ich jetzt schon Einiges gesehen. Wer's mag...
  • Folgende Situation erlebe ich staendig: Irgendwelche Eingeborene, die mich anhand meines Akzents als Auslaender klassifizieren, fragen mich nach meiner Herkunft. Wenn ich "Munich" oder "Bavaria" angebe, bekomme ich Komplimente ueber meine Heimat und deren Eignung als Urlaubsort zu hoeren - wenn ich "Germany" sage, werde ich dafuer gelobt, dass ich sehr gut Englisch spreche.
  • Abgesehen davon, dass Fahrzeuge hier dem Linksverkehr angepasst sind, gibt es noch weitere Unterschiede zu denen auf dem Kontinent: Opel heisst hier Vauxhall und hat als Emblem eine Art Kreuzung zwischen Fuchs und Schwan. Renault Twingo gibt es gar keine (Schnief!). Die Nummernschilder sind aus Plastik, vorne weiss und hinten gelb. Ganz besonders gefaellt mir, dass Blinker und Scheibenwischer nicht bei jedem Auto gleich verteilt sind, sondern je nach Fabrikat entweder wie bei uns oder eben umgekehrt. Anstatt der Strassenleitpfosten wie in Deutschland sind im UK in der Mitte der Fahrbahn kleine Reflektoren angebracht - aber nur ausserorts. Und nur auf groesseren Strassen. Und nur, solange sie nicht weggebrochen sind.
  • Tuerklinken sind in England traditionellerweise huefthoch angebracht. Warum, das weiss hier keiner so genau. Auf jeden Fall ist es ganz schoen doof, wenn man vollbeladen ankommt und mit dem Ellenbogen versuchen will, die Tuer aufzukriegen...
  • Den niedlichsten Akzent auf Erden haben wohl Englisch sprechende Franzosen. Man versteht zwar nicht immer, was sie sagen, aber es ist schoen zuzuhoeren. So schoen, dass sich sogar einmal ein paar weibliche Gaeste erdreistet haben, Julien einen einzigen Satz mindestens fuenfmal wiederholen zu lassen, nur um seinen Akzent zu hoeren - obwohl sie ihn gleich beim ersten Mal verstanden haben!!
  • Als Beispiel: [bi'ytif'yle] heisst "beautiful"
  • Auch nicht schlecht sind Englaender, die sich in Franzoesisch versuchen. Bis ich kapiert habe, dass das Gericht in meinen Haenden ein Ratatouille sein soll, war es schon fast kalt. Und wenn ein Gast Wein bestellen will, lass ich mir grundsaetzlich die Zeile in der Weinkarte zeigen, damit er den richtigen kriegt.
  • In England gibt es weit mehr schwangere und Kinderwagen schiebende Frauen als bei uns. Dank der schlauen Politik ist der Anteil schwangerer Teenager wahnsinnig hoch, denn diese bekommen von der Regierung ein Haus (!) kostenlos zur Verfuegung gestellt. Und das scheint viele Minderjaehrige davon zu ueberzeugen, dass sie schon reif fuer ein Kind sind.
  • Dass das nicht unbedingt der Wahrheit entspricht, zeigt die unglaubliche Dummheit, mit der sich besagte Jugendliche auf die Entbindung vorbereiten: Viele von ihnen rauchen und saufen, was das Zeug haelt, damit sie die koerperliche Entwicklung des Babys hemmen und somit eine leichtere Geburt erwarten koennen.
  • Nur, weil irgendwer chinesisch aussieht und ein chinesisches Lokal betreibt, kann er noch lange kein Chinesisch. Die Speisekarte im chinesischen Take away ist auf Englisch, und wer "crupuk" statt "prawn crackers" bestellt, erntet nichts als einen absolut verwirrten Blick.
  • Wer ein bisschen abspecken will, kann eine Diaet machen. Wer vorhat, nach spaetestens zwei Wochen seine Jeans ausziehen zu koennen, ohne die Knoepfe aufzumachen, sollte nach England ziehen und sich von Kantinenfrass ernaehren. Hilft garantiert, auch bei so diaetresistenten Leuten wie bei mir. Denn wer wird schon von lapprigem Toastbrot satt? Und wer hat noch einen Funken Appetit, wenn er um sieben Uhr morgens Fisch und Schwammerl servieren muss?
  • Italien und Grossbritannien liegen weit auseinander. Nix Neues? Naja. Wie weit die beiden Laender wirklich voneinander entfernt sind, hab ich erst gemerkt, als ich in der Arbeit dazu gezwungen wurde, Kabapulver auf den Cappuccino zu streuen... Ich haette fast geheult!
  • Mit guten Polnischkenntnissen kommt man ziemlich gut durch, vor allem in Southampton: Von gut 200.000 Einwohnern sind ueber 70.000 Polen. Im Careys Manor Hotel sind die meisten Housekeeping-Leute Polen.
  • Jede Steckdose hat einen zusaetzlichen Schalter, mit dem man sie an- und ausknipsen kann. Und damit Verlaengerungskabel ihren Sinn nicht verlieren, haben auch diese einen Knopf zum Einschalten.
  • Um richtiges Englisch sprechen zu koennen, bedarf es eines gezielten Stimmtrainings, das die Stimme um etwa eine Oktave hoeher schraubt. Unabhaengig von Uhrzeit, Stimmung oder Bekanntheitsgrad quietscht man sich dann ein freundliches "Hallo, how are you?" entgegen, um nicht unhoeflich zu erscheinen. Besonders wenn man kurz davor erst in Italien war, wo bekanntlich sehr tief gesprochen wird, klingt Englisch irgendwie komisch.
  • Ein spezieller Fall britischen Humors scheinen die staendigen Feueralarme zu sein (auf Deutsch gibts da glaub ich nicht einmal einen Plural, faellt mir auf). Die Sicherheitssysteme in allen oeffentlichen Gebaeuden sind dermassen empfindlich, dass man jederzeit mit einer Evakuierung rechnen muss. Jederzeit! Wenn die Sirenen losgehen, muss man schon mal zu nachtschlafender Zeit barfuss und im Morgenmantel mit zerzausten Haaren sein teures Hotelzimmer in Richtung "Fire assembly point" verlassen. Oder auch seine eigene Hochzeit fuer eine Viertelstunde unterbrechen.
  • Noch lustiger ist es, wenn man sich gerade wieder hingesetzt hat und der Alarm von Neuem losgeht. Ich persoenlich bin jedes Mal genervt, aber wie gesagt: Hierzulande scheint es zum Humor zu gehoeren...
  • Als Brite bzw. Amerikaner hat man das Glueck, dass die meisten anderen Leute Englisch sprechen und man selbst also so gut wie nie in der Situation ist, eine Fremdsprache sprechen zu muessen. Das fuehrt leider dazu, dass viele Briten und Amerikaner glauben, ihr jeweiliger Gespraechspartner versteht ihren Dialekt, egal wie schnell und schlampig er gesprochen wird, auf Anhieb.
  • Abgesehen davon erlebe ich hier eine Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Selbstverstaendlichkeit uns Auslaendern gegenueber, wie sie in Deutschland wahrscheinlich in 50 Jahren noch nicht verwirklicht sein wird. Da haben wir echt noch Einiges zu lernen!
  • Umgekehrt koennten sich die Briten eine Scheibe (oder zwei!) von den deutschen Strassen abschneiden. Denn es ist wirklich eine Ausnahme, wenn man hier eine eben geteerte Flaeche von mehr als einem Quadratmeter findet. Vor allem als Fussgaenger in der Nacht lebt man gefaehrlich: Da in Brockenhurst ein empfindlicher Mangel an Strassenlaternen herrscht, sieht man nie, wo man hinsteigen kann und wo eine Riesenpfuetze mitten auf dem Gehsteig ist. Bei Trockenheit waechst in den Loechern sogar Gras!
  • Bei festlichen Angelegenheiten tragen Damen Huete oder andere komische Kopfverzierungen. Das ist tatsaechlich nicht nur bei den Royals ihren Hochzeiten der Brauch!
  • Nach Beerdigungen trifft man sich zum Essen, das ist ja bei uns auch so. Aber einen Sektempfang hab ich auf einer Kremnis noch nie gesehen, und dass Leute so betrunken sind, dass sie ueber ihre eigenen Fuesse fallen, find ich schon fast pervers...
  • Die Sirenen von Feuerwehr, Polizei und Sanka sind gegen den Doppler-Effekt immun. Kann mir das einer erklaeren, bitteschoen? Vielleicht, weil sie auch so schon schlimm genug sind.
  • Jetzt Ende November hab ich rausgekriegt, warum Damen mit kurzen Haaren hier so selten sind: Ein ordinaerer Pferdeschwanz ist nach einem Regenschauer/Sturm/Hagel einfach viel schneller wieder hergestellt als eine aufwendige Frisur.
  • "Lovely", "Darling", "Sweetheart": Die Englaender haben es mit Kosenamen. Nicht nur fuer Familienmitglieder, sondern auch fuer alle Bedienungen, Kinder, Kollegen, Klienten usw.
  • "Durchfall", "Handschuh", "Muskelkater", "Staubsauger": Wenn ich diese Begriffe woertlich uebersetze, schmeissen sich meine Kollegen regelrecht weg. Einige haben den "Throughfall" und den "Dustsucker" schon in ihren Wortschatz uebernommen;-) Fallen euch noch mehr Beispiele ein?
  • Danke fuer eure Hilfe! Hab meine Liste jetzt um "breastholder", "cool cupboard", "early piece", "evening dress", "evening food", "hand sheet", "sick house", "guide certificate" und "backsightless" erweitert.
  • Andersrum geht's auch: "Tassenbrett", "jeder Koerper", "kein einer", "brich Fasten", "Sitzguertel".
  • Gluehbirnen haben kein Gewinde, das man in die Fassung schraubt, sondern zwei Nasen, mit denen man sie einsteckt. Hab ich neulich entdeckt, als ich eine Lampe ausgewechselt habe. Uebrigens: "glow pear" ist doch nicht schlecht, oder?
  • Was den Deutschen der Emmentaler ist, ist in England der Cheddar: Egal, ob als Brotbelag, auf die Pizza oder zum Dessert - dieser Kaese ist allgegenwaertig!
  • Waehrend die deutsche Oberschicht ihre Jaguars hochstens bei schoenem Wetter an die frische Luft laesst, und dann auch nur auf ausgewaehlten Routen, sieht man diese Nobelkarossen in England auch im Winter und auch auf Feldwegen rumkurven.

05 September 2006

Brockenhurst



So, jetzt bin ich schon einige Zeit hier in Brockenhurst, einer kleinen Stadt mitten im Nationalpark "New Forest". Lauter Wald und ueberall freilaufende Pferde, Esel und kuhaehnliche Vieher. Abgesehen davon, dass man also mitten in der Zivilisation aufpassen muss, dass man nicht in den Kuhdreck steigt, ist es wirklich schoen hier.
Die Philosophie der Leute ist etwa folgende: Zuerst waren die Tiere da, dann kamen wir. Darum ordnen wir uns ihnen unter und schimpfen nicht, wenn ein Pferd mal eine Kreuzung fuer einige Minuten lahmlegt...


Hier wohne ich, das rechte Fenster ist meins. Was auf dem Foto so idyllisch wirkt, ist in Wirklichkeit die reinste Horrorunterkunft: Verkehrslaerm, Spinnen, kein brauchbares Bad/Klo, dauernd schaut jemand beim Fenster rein, und die Haustuer sperrt man auch nur pro forma zu.

Was ich sonst noch alles gelernt habe:

  • Bankkonto eroeffnen schwer gemacht: Man kann in diesem schoenen Land nicht einfach so mal schnell ein Konto anlegen, oh nein! Erstens muss man da in eine groessere Stadt fahren, denn die Bamperlfilialen wie hier in Brockenhurst (immerhin 5400 Einwohner) sind dazu nicht faehig. Und: Man muss erst einen Termin ausmachen, wann man wiederkommt um dann den Papierkram von etwa einer Viertelstunde zu erledigen. (Liebe Gruesse an dieser Stelle an Martin und Kerstin;-))
  • Fuer 40 Gaeste braucht man 8 Bedienungen, zwei Spueler und 5 bis 6 Koeche.
  • Schon nach einer Woche hatte ich Probleme Deutsch zu sprechen: Neulich wollte sich ein Hollaender mit mir unterhalten, und immer wieder hab ich einfach auf Englisch geantwortet.
  • Wie ihr schon bemerkt habt, kaempfe ich regelmaessig mit der Computertastatur: Keine Umlaute, kein scharfes S, Z und Y vertauscht und Satzzeichen irgendwo.
  • Englaender fahren zwar auf der linken Strassenseite, aber auf dem Gehsteig scheint sich langsam die Kontinentalvariante durchzusetzen. Es gibt also Hoffnung...
  • Wer einen Brief aufgeben will, hat die Wahl zwischen 1. und 2. Klasse: 23p kostet die Normalzustellung (dauert 4-5 Tage), wenn's pressiert, ist es teurer ("nur" 2-3 Tage).
  • Sowohl im Strassenverkehr als auch mit Internetnutzung sind die senior citizens hier wesentlich aktiver als in Deutschland. Oder habt ihr schon mal jemanden mit weisser Dauerwelle seine Emails checken sehen?