31 Oktober 2006

Halbzeit in England!

Juchu, zwei Monate sind geschafft, nur noch knappe sieben Wochen liegen vor mir. Zeit, einmal alles zusammenzufassen, was mir am meisten abgeht (Reihenfolge nicht unbedingt aussagekraeftig):
  • ihr natuerlich
  • mein Bett, mein Bad
  • Streichwurst
  • Kirchenglocken
  • Organisation
  • bairischer Humor
  • Essen, das gleichzeitig schmeckt, gesund, erschwinglich, frisch und ausreichend vorhanden ist und zu einer akzeptablen Uhrzeit serviert wird
  • geniessbares Leitungswasser
  • Kontoauszugsdrucker
  • richtiges Brot und - schon fast verdraengt: Brezn!
  • ebene Strassen
  • selber Auto fahren, und zwar auf der richtigen Strassenseite
  • Herzlichkeit statt Hoeflichkeit
  • stabile Haeuser, mit Garten rundrum und allen Leitungen unterm Putz
  • Zeitung, Radio, Fernsehen: Ich krieg ja ueberhaupt nix mit hier! Fragt sich, ob das soo schlecht ist...

Ich stelle fest, dass sich die meisten Punkte ums Essen drehen. Erschreckend, oder?

Stonehenge und Salisbury

Gestern hatte ich mal wieder frei und machte mich auf den Weg nach Salisbury, einer wirklich schoenen alten, typisch englischen Stadt in der Naehe von Stonehenge.
Da das Wetter ebenfalls typisch englisch war, hab ich nur ein einziges Foto von den beruehmten Steinbrocken gemacht und dafuer ein paar schoene Postkarten gekauft, auf denen die Sonne scheint;-)
Mein erster Eindruck im Bus dorthin hat mich ziemlich hart getroffen: Japaner, von weitem erkennbar am Maurerhut! Nicht nur, dass sie sogar das Schild an der Bushaltestelle vor dem Bahnhof in Salisbury fotografiert haben, nein! Sie belagerten auch noch die beiden vorderen Sitzreihen oben im Bus. Ich muss zugeben, dass ich die reinste Schadenfreude empfand, als die Windschutzscheibe bald von aussen regennass und von innen beschlagen wurde...
Stonehenge selber war dann auch eher ernuechternd als inspirierend: Erstens hatte ich mir ein kolossales Gebilde vorgestellt, nicht ein paar Felsen, die locker in unseren Garten passen wuerden. Dann 5.90£ Eintritt (wobei man ja gar nicht "eintritt", sondern nur auf einem eingezaeunten Trampelpfad aussenrum latschen darf), das nervtoetende Gelaber einer Tonbandfuehrung im Ohr, wieder fotografierende Japaner im Weg, und zu guter Letzt zwei viel befahrene Strassen in direkter Nachbarschaft. Wenn da einer noch von einem mystischen Ort sprechen kann...
Auf dem Rueckweg nach Salisbury hab ich eine Suedafrikanerin kennen gelernt, mit der ich dann die Stadt erkundet habe: Besonders die St Mary's Cathedral fand ich wahnsinnig beeindruckend. Unvorstellbar, dass ein solch riesiges Bauwerk in kaum mehr als 30 Jahren aufgestellt wurde. Vor allem, wenn man bedenkt, dass seit 1986 Renovierungsarbeiten laufen, die voraussichtlich noch bis 2015 dauern. Und zwar nur auf der Nordseite...
Das hier ist das Uhrwerk der Kathedrale, das aelteste noch funktionierende der Welt.
Trotz der Einnahmen aus dem Eintritt in die Kirchen und aus dem Kirchenrestaurant (in der Kirche!!) scheint diese Kathedrale langsam zu zerfallen...
Zurueck in Southampton hab ich dann aus dem Zugfenster die Queen Mary II im Hafen gesehen. Bei Nacht erscheint sie noch groesser als bei Tag, deshalb beschloss ich noch schnell vorbeizuschaun. Doch das ist gar nicht so leicht, wenn man auf der falschen Seite einer Stadtautobahn und dann noch auf der falschen Seite eines Zauns ist... Zufaelligerweise hatten zwei zukuenftige Bremer Schiffsbauingenieure dieselbe Idee - und ein Auto.
Nachdem wir also zu dritt an einem weiteren Zaun gescheitert waren, beschlossen wir unsere verrueckte Aktion abzublasen und lieber auf ein Bier in ein Pub zu gehn.

Staff Party

Am 23. Oktober war Staff Party in der Brockenhurst Village Hall. Der mageren Werbung zufolge war die Resonanz zwar etwas duerftig, aber die etwa 30 Leute, die der Einladung folgten, hatten trotzdem wahnsinnig viel Spass...
Zuerst waermten wir uns am Buffet (incl. der Kiste voll Bier, auf der wir sitzen) ein bisschen auf, dann kam der Percussion-Instructor, der uns sprichwoertlich nach seiner Pfeife tanzen und trommeln liess.
Anschliessend wurden wir vom DJ auf die Tanzflaeche komplimentiert.
Leider wurden wir schon um halb elf rausgeschmissen, darum nahmen Jessie, Justyna, Salvatore und ich, bewaffnet mit den Bierresten der Party, den letzten Zug nach Bournemouth, wo wir noch ein paar Stuendchen weitertanzten - bis wir irgendwann auf die Couchen fielen. (Sehr gemuetlich, sollte es in jeder Disco geben!!)






















Im Taxi nach Hause war es dann ploetzlich ganz still...

18 Oktober 2006

Linksverkehr

Bis jetzt weigert sich mein Hirn standhaft, sich daran zu gewoehnen. Immer wieder erschrecke ich, weil ein scheinbar fahrerloses Auto an mir vorbeifaehrt. Und zweimal waere ich schon fast ueber den Haufen gefahren worden, wenn mich nicht jemand am Arm gepackt und zurueckgezerrt haette, als ich ueber die Strasse gehen wollte...

Aber am schlimmsten sind die Kreisverkehre:


Auch nicht schlecht: Autobahnauffahrten von links. Da zittere ich aber immer so, dass ich euch leider kein Foto zeigen kann;-)

17 Oktober 2006

Meine Arbeit






Tja, also: Seit Anfang Oktober arbeite ich im Restaurant als Chef de Rang, das heisst ich schleppe nicht mehr die Tabletts aus der Kueche zu den Tischen, sondern bin fuer einige Tische selber verantwortlich und habe einen Commis de Rang, der fuer mich die schweren Tabletts bringt. Haha.

Ansonsten kann ich noch nicht so richtig ueber den Betrieb hier laestern, so lang ich mich mit den Managern gut stellen muss. Die Schichten sind jedenfalls brutal (zweimal am Tag von 6.30 bis ungefaehr 12 Uhr!), und dann gaebe es noch Einiges ueber die Kantine, das Management usw. zu berichten...

Meine tolle Uniform seht ihr auf dem Foto. Das haben wir neulich gemacht, als Berengere ihren letzten Tag hatte. Die anderen Fotos sind vom Cocktail-Wettbewerb letzte Woche. Der mit dem weissen Jacket ist Salvatore, unser Barmanager und zweiter Sieger mit seinem selbstkreierten Cocktail.

09 Oktober 2006

Au Panne!

Nicht nur die Tatsache, dass ich mit Akzent spreche, entlarvt mich als Auslaender, oh nein! Darueber hinaus gibt es unzaehlige Fettnaepfchen, Missverstaendnisse und absolute Don'ts, die einfach nur mir passieren koennen. Oder halt einem anderen Auslaender.

Was Jessie da mit ihren Fingern macht, bedeutet fuer mich nichts anderes als "zwei". Jetzt bin ich mit diesem Zeichen schon ganz schoen vorsichtig geworden, denn ein Englaender versteht darunter "fuck you twice".
Das Gemeine ist, dass einen auch zehn Jahre Englischunterricht nicht auf diese Fallen vorbereiten koennen, oder zumindest nur theoretisch. Wie zum Beispiel das mit der Uhrzeit: Natuerlich hab ich mal gelernt, dass mit "half seven" 7.30 Uhr gemeint ist. Trotzdem aergere ich mich immer wieder, wenn ich aus Versehen eine Stunde zu frueh aufstehe...

Und natuerlich kann ich die Aufschrift "fire door. no exit. alarm will sound if door is opened." lesen. Aber wenn man in einem absolut fremden Gebaeude ist, und das Schild "push bar to open" groesser ist als das andere...


Was ich nicht wusste: In England gibt es Leitungswasser von unterschiedlicher Qualitaet. Waehrend man also praktisch ohne Probleme aus einer deutschen Klospuelung trinken koennte, muss man hier sogar in der Kueche aufpassen, aus welchem Wasserhahn man tatsaechlich Trinkwasser bekommt. Das erklaert auch, warum ich letzte Woche so von einem Gast angeschnauzt worden bin, nachdem ich ihn gefragt hab, ob er seine bloede Trinkflasche denn nicht im Klo selber auffuellen kann...

Dann macht sich auch hier meine bairische Muttersprache bemerkbar: Staendig oute ich mich durch Ausdruecke wie "the FEET of this table" oder "the mother OF my friend" usw. Aber ich werde immer besser!!

Ich hoffe instaendig, dass dieser Teil meiner Homepage nicht mehr allzu lang wird, aber irgendwas braucht ihr ja auch zum Lachen. Naja.
Eine Eigenheit der deutschen Sprache ist die sog. Auslautverhaertung: Wir sprechen "Abent", "Schlak", "Bup" usw. Neulich ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen, was ich immer ankuendige, wenn ich den Gaesten einen Crab Cocktail hinstelle... (Jaja, schaut ruhig mal nach, was "Crap" bedeutet!!)

04 Oktober 2006

The New Forest






Heute hab ich mit Jessie eine Radltour im New Forest gemacht. Erst mussten wir natuerlich aus Brockenhurst raus, das heisst wir nahmen aktiv am Linksverkehr teil. Hui! Ganz schoen gefaehrlich...

Danach waren wir fast nur noch auf Waldwegen unterwegs, so konnten wir die tolle Landschaft geniessen: Wald, Wiesen, Kuehe, Pferde, Esel, Hirsche, alles da.

Mit einem Fuenf-Gaenge-Picknick haben wir uns fuer die anstrengende Tour belohnt: gemischter Salat mit Feta und Pinienkernen, Tiramisu, Obst, Schokokuchen und natuerlich Chips, aeh Crisps. Die duerfen hier ja bei keiner Mahlzeit fehlen. Ich hab auch schon einen Verdacht, warum das so ist. Schliesslich kennt der gemeine Englaender kein Gewuerz - nicht mal Salz oder Pfeffer. Und damit man genuegend Mineralstoffe zu sich nimmt, isst man halt Chips, aeh Crisps.