30 August 2007

Jakobsweg IV: Melide bis Ribadiso

Heute kommen meine Blasenpflaster zum Einsatz (Danke, Alexa, fuer dieses schlaue Geschenk!). Auf dem Weg vom Bett zum Klo erwecke ich ja nun nicht gerade den Eindruck, als waere ich in der Lage mehr als zehn Meter zu Fuss zurueckzulegen. Aber kaum lege ich einen Zahn zu, tut mein Knoechel kaum noch weh.

Hape Kerkeling schreibt ja, dass auf dem Jakobsweg jeder mal heult. Heute bin ich dran: Ich latsch grad gut gelaunt durch den Wald, als plötzlich ein Schäferhund auf mich zustürmt. Weit und breit kein Mensch zu sehen - da panicke ich total, krieg keine Luft mehr und kann erst weitergehen, als mich der Chilene, den ich kurz vorher überholt habe, erreicht.

Eine weitaus angenehmere Annäherung an die Fauna Spaniens wagt der Wast...


Gut, dass wir heute nur zehn Kilometer gehen müssen. Am späten Vormittag schon gönnen wir uns eine ausgiebige Rast mit Sonnenbad...... Kopfmassage... ... bzw. Rundumbehandlung.
Traudi zur Uschi E.: "Iatz lasst di vo hint massiern und vo vorn fuadern!"

Ihr glaubt doch wohl nicht im Ernst, dass ich auf den Schmarrn mit dem Kabelbinder gekommen bin, oder?

In der Herberge angekommen, ratschen wir so lange, bis die nette Dame vom Empfang endlich kommt.
Emmi erzählt von ihrer Hochzeit: "Mia samma mitm Modorral gfahrn, und i bin im Beiwong dringsitzt. Vorn war a Blumenbouquet om..." - Tobias hat nur mit einem halben Ohr zugehört: "Wos? Aufm Brautgwand warn Totnkepf drauf?"
Nur über ernste Themen, versteht sich!
Diskussion ueber Steuern und Finanzen. Franz zu Tobias: "Du konnst wenigstens dei Kechin obsetzn, i konn mei Kechin net obsetzn!" - Emmi: "Ois bsondere Belastung vielleicht?"

Darf ich vorstellen? Mein Tagebuch, in dem ich den ganzen Kaas gesammelt habe, der hier jetzt im Blog steht.Tobias erzaehlt, welche tollen Werbegeschenke die Trauerhilfe DENK immer im Pfarrheim laesst: "Der Jacek griagt dann an Champagner oder a mords Drumm Kerzn - und fuer mi hot er jeds Johr an Kalender mit Ledereinband. I mechat vui liaber amoi a Tassn mit Trauerrand, wo omsteht "Mit uns sterben Sie gern"!"

Weisheit des Tages: Blasen können auch unterm Blasenpflaster noch wachsen.

Beim Einchecken in die Herberge gibt es ein bisschen Stress, weil die Dame am Empfang ihren Job recht ernst nimmt. Hildegard: "Ja mei, wenn´s am Himmi drom beim Einlass aa a so a Gschiss machatn..."

Uschi: "Do werd doch hoffentlich koa Spanier net dollsitzn!"
Darauf haben wir uns schon den ganzen Tag gefreut: Ein erfrischendes (!!) Bad im Rio Iso.
Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf...

Weil wir ja beim Wallfahrten sind, halten wir hinter der Herberge einen Wiesen-Gottesdienst mit Baguette-Kommunion.





Unser Abendessen nehmen wir heute im "Kripperl" ein (Uschi E.). Hab ich schon die bescheidenen Englischkenntnisse vieler Spanier erwähnt? - Jedenfalls hab ich mir von der hiesigen Bedienung mit Grunz-, Muh- und Krähgeräuschen und unter Zuhilfenahme sämtlicher Extremitäten die Speisekarte erklären lassen und die Bestellung für ihn aufgenommen.Keine Sorge, die Stimmung war wirklich super!
Prost!

Nach einem kleinen Gläschen Wein reiße ich mich zusammen für die Uraufführung der Wallfahrer-Gstanzl:
  • Wenn i zum Wallfahrtn geh, duat mia mei Hax so weh. Mei Hax, der knackst, wenn i zum Wallfahrtn geh.
  • Mei Grong verbong.
  • Mei Bauch verstaucht.
  • Mei Knia heilt nia.
  • Mei Herz voi Schmerz.
  • Mei Hand schlecht beinand.
  • Meine Aung nimmer schaung.
  • Mei Nosn voi Blosn.
  • Mitm Kreiz is a Kreiz.
  • Mei Gstoi derdoit.
  • Mei Haut derhaut.
  • Mitm Gfriss is a Gschiss.
  • Mei Orsch is morsch.
  • Meine Ouan derfrouan.
  • Meine Hoor wern gor.
  • Mei Glenk verrenkt.
  • Mei Buckl, der zucklt.
  • Meine Knocha brocha.
  • Mit de Wadl a Qual.

Bei Fragen zu Melodie oder Singweise erhaltet ihr Tag und Nacht Auskunft unter: 08084-3100.

Ja, ihr merkt, uns geht´s gut. Zumindest zeigen wir trotz aller Schmerzen einen unbeugsamen Humor.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Frau Stocker hat gesagt, dass mit den Kabelbindern ist auch in Amsterdam modern. Da ist ihnen eine ganze Gruppe mit Kabelbindern in den Haaren über den Weg gelaufen...